Wenn man von der Kathedrale in Richtung Capo-Markt geht, fällt einem auf dem Platz am Eingang des Marktes als Erstes ein Kiosk mit der alten Aufschrift „Chiosco Beati Paoli“ ins Auge. Übrigens kann man dort ganz gemütlich einen Aperol für nur 3 Euro trinken. Genau hier beginnt die geheimnisvolle Geschichte der Beati Paoli.
Historiker konnten bis heute nicht beweisen, dass diese Bruderschaft tatsächlich existierte, denn es ist kein einziges offizielles Dokument erhalten geblieben, das ihre Existenz bestätigen würde. Gleichzeitig erklärt gerade das Wesen einer Geheimgesellschaft, warum es keine schriftlichen Beweise gibt. Wer waren sie also?
Der Legende nach wurden die Beati Paoli gegründet, um die Armen zu schützen. Die Richter standen auf der Seite des Adels, während die Bruderschaft das einfache Volk vertrat. Wenn jemand Opfer einer Ungerechtigkeit wurde, wandte er sich an die Brüder, die der Überlieferung nach in den unterirdischen Tunneln unter dem Capo-Markt lebten. Von dort aus übte die Bruderschaft auf ihre eigene Weise Vergeltung und sprach ihre eigene Form der Gerechtigkeit in den unterirdischen Gängen Palermos.
Diese Tunnel existieren noch heute und können im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Ob die Bruderschaft tatsächlich existierte, bleibt jedoch ein Rätsel. Sicher ist dagegen, dass bereits im 12. Jahrhundert eine andere Gruppe existierte – die Vendicosi („Die Rächer“) –, über die historische Dokumente erhalten geblieben sind. Vielleicht setzten die Beati Paoli ihre Mission fünf Jahrhunderte später einfach fort. Arme Menschen brauchten schließlich schon immer jemanden, der sie beschützte.
Immer wenn ich über die Beati Paoli lese, beschäftigt mich dieselbe Frage: Teile ich ihre Ideologie eigentlich? Und woran erinnert mich das alles? Als ich über die Vendicosi las, fand ich die Antwort. Die Geschichte Palermos wurde immer wieder von Menschen begleitet, die behaupteten, die Armen gegen die Mächtigen zu verteidigen. Das war der Beginn der Geschichte der sizilianischen Mafia.
