Der Verkehr in Italien ist für sein Chaos bekannt. Doch der Verkehr auf Sizilien überrascht manchmal sogar Italiener. Autos, Motorroller, Motorräder, Fahrräder, E-Scooter und sogar Pferdekutschen scheinen alle in dieselbe Richtung unterwegs zu sein, und doch folgt jeder seiner eigenen Spur und seinem eigenen Tempo. Bis heute staune ich darüber, wie es einem Roller gelingt, durch einen Markt voller Menschen zu fahren.
In den wichtigsten Fußgängerzonen gibt es Geschwindigkeitsbegrenzungen für Fahrräder und E-Scooter. Viele betrachten diese jedoch eher als Empfehlung denn als Vorschrift. Dort verkehren auch einige der bekanntesten touristischen Fahrzeuge der Stadt: die Ape-Dreiräder und die von Pferden gezogenen Kutschen. Bei den Pferden sollte man allerdings nicht mit plötzlichen Bremsmanövern rechnen und besser Abstand halten.
Der ideale Ort, um die Kunst des Fußgängerlebens in Palermo zu erlernen, ist die Via Roma. Es ist eine breite Straße mit zahlreichen Zebrastreifen und ohne Ampeln. Wenn Freunde aus anderen Ländern mich besuchen, erzähle ich ihnen immer, was ich in meinen ersten Wochen hier gelernt habe.
Zuerst sucht man aufmerksam nach einer kleinen Lücke im Verkehrschaos. Dabei blickt man in die Ferne und hält Ausschau nach schnellen Rollern und Motorrädern. Und man vergisst nicht, auch auf den Gegenverkehr zu achten.
Wenn weniger Autos unterwegs sind, sucht man sich einen freundlichen Fahrer und nimmt Blickkontakt auf. Freundlich. Mit einem Lächeln.
Fast immer wird er Ihnen mit einem Blick oder einer Handbewegung zu verstehen geben, dass Sie die Straße überqueren können.
Dann lächeln Sie zurück und bedanken sich. Vergessen Sie dabei nicht, auch den übrigen Verkehr im Auge zu behalten. Oft bremsen die anderen Fahrzeuge ebenfalls ab, sobald das erste anhält.
Der letzte Schritt besteht darin, die Straße zu überqueren – schnell, mit einem Lächeln und einem weiteren Dankeschön. Aber vor allem: schnell.
Die Palermitaner sind ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Manchmal lassen sie einen sogar passieren, obwohl man selbst warten wollte. Dann beginnt ein kleiner Dialog nur mit Gesten:
„Du zuerst.“
„Nein, geh du.“
„Ich kann warten, fahr ruhig weiter.“
Und wie so oft endet alles mit einem Lächeln.
Weil die Menschen hier freundlich sind.