Eine weitere Legende aus Palermo, die der Kunst der sizilianischen Konditorei noch mehr Geschmack verleiht. In fast jeder Auslage einer Pasticceria kannst du kleine bunte Früchte, Gemüse und sogar pane ca meusa oder eine Arancina sehen – alles aus Mandelpaste hergestellt. Das sind die Frutta Martorana, benannt nach dem Kloster, in dem die Nonnen sie erstmals herstellten und später verkauften.
Während der spanischen Herrschaft war Palermo berühmt für seine Gärten, Parks, seltenen Pflanzen und Obstbäume. Auch das Kloster Martorana war für seinen Obstgarten bekannt. Deshalb beschloss eines Tages die spanische Königin (oder, je nach Version, der König oder der Erzbischof), diesen außergewöhnlichen Garten mit eigenen Augen zu sehen.
Leider war es bereits Herbst, und die Bäume waren kahl. Die einfallsreichen Nonnen beschlossen deshalb, ein altes arabisches Rezept wieder aufzugreifen und Früchte aus Mandeln und Honig herzustellen. Sie bemalten jede einzelne Frucht und hängten sie an die Äste der Bäume. Die Königin war begeistert. So sehr, dass sie „eine so perfekte Orange“ probieren wollte. Die zweite Überraschung folgte, als sie begann, die Orange zu schälen und entdeckte, dass es kein echter Frucht, sondern ein Dessert war.
Mit der Zeit perfektionierten die Nonnen ihr Können und begannen, ihre Früchte etwas weniger perfekt zu gestalten – näher an denen, die die Natur selbst hervorbringt.
