An den Tagen, an denen ich richtig hungrig bin und schnell etwas essen muss, rettet mich die Arancina jedes Mal. Zum ersten Mal habe ich diesen sizilianischen Klassiker in Catania probiert. Dort ist sie männlich – Arancino. Die Palermitaner sind dagegen überzeugt, dass alles Schöne weiblich sein sollte. Deshalb heißt sie hier in Palermo Arancina. In den Souvenirläden findest du sogar T-Shirts mit den “kämpfenden” Arancine aus Palermo und Catania. Übrigens haben sie auch unterschiedliche Formen, und auch dafür gibt es verschiedene Legenden und Erklärungen. Eine davon besagt, dass sich der Name Arancina vom italienischen Wort arancia (Orange) ableitet – deshalb ist sie in Palermo rund. In Catania findest du denselben Arancino dagegen in Kegelform, die an den Ätna erinnern soll.
Als ich diese Spezialität zum ersten Mal in Catania kaufte, setzte mein Freund seine Brille auf und sagte: „Zeig mir, was drin ist. Ich muss sehen, ob das ein richtiger Arancino ist.“ Also, was genau ist eine Arancina, und was macht sie zu einer „richtigen“ Arancina? Eine Arancina ist eine frittierte Reiskugel mit Fleischragù als Füllung. Außen ist sie fest mit Paniermehl umhüllt, damit sie ihre Form behält. Eine gute Arancina ist im Grunde ein kleines Mittagessen in Kugelform – Reis mit Ragù. Und natürlich sollte das Ragù genug Sauce haben, damit der Reis schön saftig bleibt. Man sagt, dass dieses Gericht bereits zur Zeit der arabischen Herrschaft entstand, um Reis mit Ragù leichter essen zu können. Die Panade aus Semmelbröseln soll dagegen erst später, während der Herrschaft eines der Könige Siziliens, hinzugefügt worden sein, damit sich die Reisbällchen leichter auf die Jagd mitnehmen ließen. Aber vielleicht ist auch das nur eine Legende.
In den Bars wirst du unzählige verschiedene Arancine sehen. Traditionell gibt es aber nur zwei Varianten: al ragù, die ich gerade beschrieben habe, und al burro, bei der sich statt Ragù Mozzarella und Käse im Inneren befinden. Ich finde, beide sollte man unbedingt probieren und sich danach selbst eine Meinung bilden. Es ist keine feste Regel, aber wenn ich die Wahl habe, esse ich meine Arancine bei Friggitoria Chiluzzo, Gangi oder Porta Carbone. Der Preis liegt normalerweise zwischen 1,50 € und 2,50 €.
Wenn du am 13. Dezember, dem Fest der Heiligen Lucia, in Palermo bist, wirst du erleben, dass wir an diesem Tag weder Brot noch Speisen aus Mehl essen – es ist der Tag der Arancina. Im 17. Jahrhundert litt Palermo unter einer schweren Dürre und Hungersnot. Die Menschen beteten zur Heiligen Lucia, und an ihrem Festtag lief endlich ein Schiff mit einer Ladung Weizen im Hafen ein. Die Menschen waren so hungrig, dass sie nicht warten konnten, bis das Getreide zu Mehl gemahlen wurde. Sie kochten den Weizen einfach direkt nach dem Entladen. Seitdem isst man an diesem Tag Desserts aus ganzen Weizenkörnern und natürlich Arancine, denn auch Reis ist ein ganzes Korn. Kein Mehl!
