Wie ich schon einmal erzählt habe, wird in Palermo fast nichts weggeworfen. Natürlich würde ich unsere Flohmärkte nicht mit denen in Rom oder Paris vergleichen. Aber als ich hierhergezogen bin und fast alles neu kaufen musste, haben sie mein Budget enorm entlastet.
Neben den Märkten gibt es bei uns auch Secondhand-Läden, in denen das Einkaufen viel einfacher ist, weil alles sortiert und ausgezeichnet ist. Heute möchte ich dir aber von den beliebtesten Flohmärkten im touristischen Zentrum erzählen. In Palermo gibt es zwei Flohmärkte am Sonntag: Ballarò und Piazza Marina. Sie könnten unterschiedlicher kaum sein.
Ballarò ist im Grunde der mercato economico der Stadt – also der günstigste Markt, sowohl für Lebensmittel als auch für Souvenirs und Flohmarkt-Schätze. Überall hört man die Händler rufen: „Tutto un euro! Tutto un euro!“. Die Einheimischen kommen hierher, um Geschirr, Möbel, Bücher, Kleidung und allerlei Haushaltsgegenstände zu finden. Es gibt auch viel lokale Keramik, allerdings braucht man etwas Geduld, um wirklich schöne Stücke zu entdecken. Wenn du gerne nach Schnäppchen suchst, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall. Der wichtigste Markttag ist der Sonntag. Die Händler beginnen bereits in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit dem Aufbau, und die meisten Verkäufe finden am frühen Morgen bis etwa mittags statt. Im Sommer bleiben manche Stände etwas länger geöffnet, aber viele Verkäufer beginnen schon gegen 11 Uhr zusammenzupacken. Unter der Woche trifft man zwar manchmal auch ein paar Händler an, aber wenn du den echten Markt erleben möchtest, solltest du an einem Sonntag kommen.
Der Markt auf der Piazza Marina ist touristischer, schöner – und entsprechend auch teurer. Er findet nur sonntags statt, vom Morgen bis etwa 15 oder 16 Uhr. Ich beginne meinen Sonntag manchmal auf dem Ballarò, trinke anschließend einen Cappuccino und schlendere dann weiter zur Piazza Marina. Hier hört man keine Rufe wie „Tutto un euro!“, und meiner Meinung nach sind die Preise recht hoch. Trotzdem gibt es immer wieder Überraschungen. Wenn du solche Märkte magst, lohnt es sich, nach alten Textilien, Keramik, Vintage-Plakaten oder sogar geschnitzten Holzteilen aus historischen Palazzi Ausschau zu halten.
Übrigens: Wenn du sonntags auf dem Ballarò bist, achte auf die Lieferwagen und Motorräder, die Brot verkaufen. Die Einheimischen nennen es pane del paese – Brot, das in den Holzöfen kleiner sizilianischer Orte gebacken und einmal pro Woche nach Palermo gebracht wird. Es wird jeden Sonntag geliefert und bleibt fast eine ganze Woche lang frisch. Ich persönlich finde zwar, dass das Brot aus den Bäckereien in Palermo genauso gut ist, aber pane del paese am Sonntag zu kaufen gehört zu den lokalen Traditionen, die bis heute erhalten geblieben sind.
