Jeden Morgen wache ich von Salvatores abbanniate auf – den traditionellen sizilianischen Marktrufen, mit denen Händler Kunden anlocken und unterhalten. Eines Tages sagte ich zu ihm: „Salvatore, du bist mein Wecker.“ Seitdem beginnt er etwas später laut zu rufen. Und so weiß ich immer, wie spät es ist.
Für mich ist Ballarò die Seele und das Herz dieser Stadt. Wer die echte sizilianische Atmosphäre erleben möchte, wird sie hier finden – auf dem alten Markt von Ballarò.
Vor fast tausend Jahren lag hier der Rand der Stadt. In der Nähe eines der Marktausgänge befindet sich die Porta Sant’Agata, eines der alten Stadttore Palermos. Durch dieses Tor kamen Obst, Gemüse und Vieh in die Stadt. Noch vor etwa zehn Jahren war Ballarò vor allem ein Markt für Einheimische, weit entfernt vom touristischen Leben. Heute kann jeder Besucher den Rhythmus, die Farben und die Aromen Palermos erleben, indem er einfach durch die engen Gassen von Ballarò schlendert.
Wobei „schlendern“ vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist. Die Gassen von Ballarò sind voller Menschen, die probieren, beobachten, singen und fotografieren. Gleichzeitig bahnen sich Motorroller und Fahrräder ihren Weg durch die Menge. Und jedes Mal frage ich mich wieder: Wie ist das überhaupt möglich?
Aber genau das ist Ballarò. Das berühmte Streetfood Palermos, ein Aperol Spritz für drei Euro, frisch gepresster Orangensaft für einen Euro, Ricotta, die direkt vor deinen Augen hergestellt und sofort zu einer frischen Cannoli-Creme verarbeitet wird. Und all das begleitet von Musik, Gesang, Rufen und der unglaublichen Lebensfreude der Menschen vor Ort.
Wahrscheinlich ist es unmöglich, all das in einem einzigen kurzen Artikel zu beschreiben. Einige meiner liebsten und einzigartigsten Nachbarn verdienen ihre eigene Geschichte. Und wahrscheinlich ist das auch richtig so.
Jetzt ist es Abend und Ballarò schläft. Aber ich weiß genau, dass um fünf Uhr morgens die Lastwagen mit Fleisch und Fisch ins Zentrum des Marktes fahren werden. Nach sieben Uhr öffnen die Lagerhallen für Obst und Gemüse. Und nach neun Uhr erwacht alles wieder zum Leben.
Und so geht es weiter, Tag für Tag.
