Palermo ist für mich, genau wie Sizilien selbst, voller Gegensätze. Die Stadt ist gleichzeitig sehr laut und vollkommen still.
Gerade ist Abend. Um mich herum sind nur Tauben und Möwen. Auf der Straße steht lediglich Federico, mein Nachbar aus dem Barbershop, und raucht eine Zigarette, während er auf den nächsten Kunden wartet. Und doch weiß ich, dass um Mitternacht wieder ein Feuerwerk stattfinden wird. Warum genau, kann ich dir nicht sagen. Ich habe viele Erklärungen gehört und mich schließlich für die einfachste entschieden: Die Menschen freuen sich einfach und zünden um Mitternacht Feuerwerk. Fast jeden Tag.
Um sieben Uhr morgens öffnen die Lagerhäuser des Ballarò-Marktes, und das ist mein erster kurzer Wecker des Tages. Danach wird es wieder ruhig, bis etwa neun Uhr. Dann beginnt das, was Touristen gern als „sizilianischen Vibe“ verkauft wird: das Markttreiben, Musik, singende Händler und die abbanniate – laute Rufe, die dazu einladen sollen, etwas zu kaufen. Hier verkauft man noch immer mit vielen derselben Worte wie vor hundert Jahren.
Die Straßen im historischen Zentrum kommen natürlich manchmal erst gegen fünf Uhr morgens zur Ruhe, und ich persönlich würde dort nicht wohnen wollen. Doch von diesen wenigen Hauptstraßen zweigen unzählige kleine Gassen ab, in denen man sich vor jedem Stadtlärm verstecken kann.
Sizilien kann schweigen, und Sizilien kann laut singen. Die Stadt ist voller lebhafter Märkte und Bars, die von wunderschönen ruhigen Parks und kleinen Grünanlagen mit jahrhundertealten Ficusbäumen und vollkommen lautlosen Schildkröten ausgeglichen werden.
Das Leben in Palermo ist zweifellos ein Fest, und darauf sollte man vorbereitet sein. Doch diese Stadt bietet immer auch stille Straßen und ruhige Viertel – zum Schlafen ebenso wie für eine kleine Pause allein mit sich selbst.
