Annunziata
Heute ist das mein Lieblingsporträt unter den Werken in den Museen von Palermo, und man kann es im Palazzo Abatellis sehen. Auch seine Geschichte ist interessant – genauso wie die von Antonello da Messina.
Die Annunziata ist ein Porträt der Jungfrau Maria. Trotzdem sehe ich, wenn ich sie anschaue, einfach eine junge Frau und denke dabei fast nie an religiöse Kunst. Für mich hat sie etwas Besonderes. Gemalt wurde sie im 15. Jahrhundert von dem sizilianischen Künstler Antonello da Messina – wörtlich: Antonello aus Messina. Rund 400 Jahre lang wusste man fast nichts über das Bild. Dann tauchte es in einer Privatsammlung wieder auf, allerdings unter dem Namen eines anderen Künstlers.
Im 19. Jahrhundert sah ein Historiker das Bild und begann, es mit einer anderen Annunziata zu vergleichen, die sich in einem Museum in Venedig befand und damals Antonello zugeschrieben wurde.
Ein paar Jahre später erkannte man, dass das Bild in Venedig in Wirklichkeit eine Kopie war, die von einem seiner Schüler oder Nachfolger gemalt worden war. So bekam die sizilianische Annunziata ihren echten Künstlernamen zurück: Antonello da Messina.
Dieses Jahr hatte ich auch meine eigene kleine Geschichte mit diesem Künstler. An Ferragosto – dem italienischen Feiertag am 15. August – bin ich nach Messina gefahren. Im Museum dort gibt es zwei berühmte Werke, eines von Caravaggio und eines von Antonello. Unser Caravaggio in Palermo wurde gestohlen, und natürlich wollte ich deshalb unbedingt sein Werk in Messina sehen. Aber Ferragosto bedeutet eben auch, dass fast alles geschlossen ist, also habe ich den Besuch auf später verschoben. Am nächsten Tag las ich in den Nachrichten von einem Einbruch im Museum von Messina und dachte, ehrlich gesagt, sofort: „Schon wieder Caravaggio?!“ Aber nein. Diesmal war es Antonello. Und ich finde es wirklich schade, dass ich das Werk nicht mehr gesehen habe, bevor es verschwunden ist.
Antonello hat nur wenige Werke hinterlassen, aber heute findet man sie im Louvre in Paris, im Metropolitan Museum in New York und in anderen großen Museen der Welt. Und ja, es ist wirklich traurig, dass eines seiner Werke ausgerechnet aus seiner Heimatstadt verschwunden ist.