Interior of Chiesa del Gesù (Casa Professa), a richly decorated Baroque church in Palermo, Sicily.

Chiesa del Gesù. Casa Professa

Wenn ich ehrlich bin, gehört Casa Professa nicht zu meinen Lieblingsorten in Palermo. Trotzdem empfehle ich jedem, sie wenigstens einmal zu besuchen. Alles Weitere ist dann Geschmackssache.

In einem der ersten Bücher, die ich über Palermo gelesen habe, beschrieb ein Einheimischer sie mit dem Wort tascia – etwas Auffälliges, Übertriebenes, leicht Prunkvolles. Die treffendste Übersetzung, die ich dafür gefunden habe, ist wahrscheinlich Kitsch.

Sobald man eintritt, ist man von der schieren Menge an Barock überwältigt. Es ist das barockste Barock, das ich je in meinem Leben gesehen habe. Und genau deshalb respektiere ich diesen Ort und empfehle ihn weiter. Hier findet man jene leicht kitschige Seite, die man manchmal nur in Süditalien erleben kann – farbenfroh, theatralisch und vollkommen unapologetisch.

Die Kirche heißt eigentlich Chiesa del Gesù, wird aber auch Casa Professa genannt. So hieß das Jesuitenhaus, das sich einst direkt neben der Kirche befand. Hier lebten Mitglieder des Ordens, die ihre feierlichen Ordensgelübde abgelegt hatten. Das Haus existiert heute nicht mehr, doch die Kirche hat seinen Namen übernommen.

Was wir heute im Inneren sehen können, ist das Ergebnis einer gewaltigen Restaurierungsarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Während der Bombardierungen von 1943 stürzte die Kuppel der Casa Professa ein, und die Kirche verlor zahlreiche Fresken und Dekorationen. Die Wiederherstellung dauerte Jahrzehnte, und die Kirche wurde erst zu Beginn dieses Jahrhunderts wiedereröffnet.

Für mich ist tascia ein schwer zu merkendes Wort. Deshalb sage ich immer:

„Geht in die Chiesa del Gesù. Casa Professa. Dort werdet ihr verstehen, was palermitanischer Barock wirklich ist.“