Street shrine of Santa Rosalia in Palermo

Santa Rosalia

In Italien hat fast jede Stadt ihren eigenen Schutzheiligen, und der Tag dieses Heiligen ist oft das wichtigste Fest des Jahres. In Palermo ist das Santa Rosalia. Oder, wie wir sie liebevoll nennen, la Santuzza.

Eine schöne Übersetzung dieses Namens zu finden, ist nicht einfach. Es ist so etwas wie eine zärtliche Verkleinerungsform des Wortes „Heilige“.

Der Tag unserer Santuzza ist der 14. Juli, und schon seit Wochen bereitet sich die Stadt auf die Feierlichkeiten vor. Zumindest ist das das, was wir Bewohner sehen. Hinter den Kulissen dauern die Vorbereitungen fast das ganze Jahr. Und auch die Feierlichkeiten selbst erstrecken sich über mehrere Wochen.

Heute möchte ich dir jedoch ein wenig über die Geschichten und Legenden rund um Santa Rosalia erzählen.

Der Anfang ihrer Geschichte ist ausgesprochen weiblich und könnte leicht die Grundlage eines Melodrams sein.

Eine junge Frau, die am Hof lebte, war einem Adligen zur Ehe versprochen worden. Sie widersetzte sich dem Willen ihres Vaters und floh von zu Hause. Ihre neue Zuflucht fand sie auf dem Monte Pellegrino.

Dort, in einer Höhle neben einem alten Altar, widmete sie ihr Leben dem Gebet und lebte acht Jahre lang als Einsiedlerin, bis zu ihrem Tod.

Vierhundertfünfzig Jahre später ging ihre Geschichte weiter.

Im 17. Jahrhundert erreichte die Pest Palermo. Die Krankheit forderte Tausende von Menschenleben. Eines Tages stieg ein Palermitaner zum Kloster auf dem Berg hinauf, um ein Gelübde zu erfüllen. Seinen Erzählungen zufolge erschienen ihm die Jungfrau Maria und Rosalia. Sie zeigten ihm einen Ort, an dem er einen Schatz finden würde – eine Heilige.

Ab diesem Punkt wird die Geschichte ziemlich kompliziert. Denn Knochen in den Bergen zu finden, war noch kein Beweis. Die Kirche wollte Gewissheit, dass es sich tatsächlich um Rosalia handelte. Und überhaupt: Warum sollte sie als Heilige anerkannt werden?

An dieser Stelle tritt ein weiterer unglücklicher Bewohner der Stadt in die Geschichte ein.

Seine junge Frau war gestorben, und in seiner Verzweiflung beschloss er, sich auf demselben Berg das Leben zu nehmen. Doch Rosalia erschien ihm und sagte ihm, dass die gefundenen Gebeine tatsächlich ihre seien und dass sie in einer Prozession durch die Stadt getragen werden müssten, damit die Pest ein Ende finde.

Man glaubte ihm. Die auf dem Berg gefundenen Reliquien wurden nach Palermo gebracht. Die Pest verschwand kurz darauf, und Santa Rosalia verdrängte die vier Heiligen, die bis dahin die Schutzpatroninnen der Stadt gewesen waren. Genau diese vier kannst du heute noch an den vier Ecken der Quattro Canti sehen.

Den größten Teil meines Lebens habe ich an Orten verbracht, an denen es keinen Kult um Schutzheilige gibt.

Und ich gebe ehrlich zu: Heute steht auf meiner Terrasse eine kleine Santuzza aus Keramik, die ich selbst dort befestigt habe.

Und das gefällt mir sehr.