Ich koche sehr gern, und wahrscheinlich ist das der Grund, warum die Via Calderai – die Straße der Kupferschmiede – zu meinen Lieblingsstraßen in Palermo gehört.
Den Zauber dieser Straße versteht man erst am Morgen, wenn die Handwerksbetriebe noch geöffnet sind. Seit Jahrhunderten werden hier Kupferkessel, Töpfe, Pfannen und andere Küchenutensilien aus Kupfer, Bronze und Aluminium hergestellt. Die Handwerker, die diese Dinge fertigten, wurden Calderai genannt.
Ein englischer Reisender des 19. Jahrhunderts bezeichnete diese Straße als „den lautesten Ort Europas“. Schon von Weitem hörte man das ununterbrochene Hämmern des Metalls aus den Werkstätten. Heute ist es deutlich ruhiger. Als ich jedoch eine Backform in einer ungewöhnlichen Größe für meine Küche brauchte, bot man mir sofort an, sie in einer Werkstatt nach meinen Maßen anzufertigen. Man sagt, dass viele Restaurants in Palermo ihr Kochgeschirr noch heute hier kaufen. Ich glaube das gern, denn so große Pizzaschaufeln habe ich vorher noch nie aus der Nähe gesehen.
Eine weitere Besonderheit dieser Straße ist, dass sie an die multikulturelle Geschichte Palermos erinnert. Genau in diesem Teil der Stadt findet man Straßenschilder auf Hebräisch, Arabisch und Italienisch. Schon vor fast 2.000 Jahren gab es hier eine jüdische Siedlung. Später kamen die Araber hinzu. Und alle lebten friedlich miteinander. Für mich sind diese mehrsprachigen Straßenschilder eine Hommage an die Geschichte der Stadt. Und sie sind einfach wunderschön.
