Eines Abends nach dem Abendessen fragte mich ein Freund aus Palermo: „Na, jetzt dolce?“ Um diesen Witz zu verstehen, muss man dolce unbedingt auf Italienisch stehen lassen. Denn dolce bedeutet dort nicht nur „süß“, sondern auch „Dessert“. Damals hatte ich gerade erst begonnen, in diesem süßen Land zu leben. Deshalb dachte ich, er spreche vom Dessert, und war wirklich überrascht. Nach all den Aperitifs und dem Wein während des Essens ergab das für mich überhaupt keinen Sinn. Als er mein erstauntes Gesicht sah, lächelte er und sagte: „Amaro!“ – ein Wort, das wörtlich „bitter“ bedeutet und einen bittersüßen Digestif bezeichnet.
Der sizilianische Amaro Averna ist auf der ganzen Welt bekannt. Amara hingegen ist international noch längst nicht so berühmt. Genau deshalb möchte ich ihn dir vorstellen. Heute ist er mein Lieblingsamaro.
Er wird am Fuße des Ätna aus der Schale der berühmten sizilianischen Blutorangen, Wasser aus örtlichen Quellen und wild wachsenden Kräutern hergestellt. Glaubt man den Angaben des Herstellers, wird die Orangenschale von Hand entfernt und daraus werden sieben verschiedene Aufgüsse hergestellt. Jeder einzelne wird separat angesetzt und anschließend mit den anderen vermählt, um den fertigen Likör zu schaffen.
Der Name dieses Digestifs ist ein weiteres italienisches Wortspiel – genau wie in der Geschichte der Arancina. Da der Likör aus einer Orange hergestellt wird und das italienische Wort arancia weiblich ist, heißt unser Amaro Amara.
