San Domenico
„Domini canes“, also „die Hunde des Herrn“. Ein Wortspiel, das mit dem Dominikanerorden verbunden ist. Oft sieht man einen Hund mit einer Fackel – ein Symbol der Predigt, die die Welt erleuchtet. Dieses Symbol begegnet einem an verschiedenen Orten in der Stadt, aber ihr Zuhause in Palermo ist natürlich die Chiesa di San Domenico. Besonders bekannt ist sie dafür, dass sie seit dem 19. Jahrhundert das Pantheon der bedeutenden Sizilianer ist.
Stell dir vor: Unter der Herrschaft der Bourbonen kam jemand auf die Idee, einen Ort zu schaffen, der den großen Sizilianern gewidmet ist. Das konnte als politische Verschwörung angesehen werden – und darauf konnte die Todesstrafe stehen.
Für mich ist es ein sehr ruhiger und angenehmer Ort. Hier verbinden sich Schlichtheit, Ruhe und die Eleganz des sizilianischen Barock. Als Pantheon bewahrt San Domenico sowohl die sterblichen Überreste bedeutender Persönlichkeiten als auch reine Gedenkmonumente.
Erst vor wenigen Jahren wurden die sterblichen Überreste von Giuseppe Tomasi di Lampedusa, dem Autor des berühmten Romans Il Gattopardo, vom Cimitero dei Cappuccini hierher überführt. Weltweit bekannt wurde die Geschichte auch durch die Verfilmung mit Alain Delon, Claudia Cardinale und Burt Lancaster. Ein Satz ist mir für immer im Gedächtnis geblieben: „Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern.“
Ein weiterer berühmter Name, den man im Pantheon kaum übersehen kann, ist Giovanni Falcone – der in ganz Italien bekannte Richter, der von der Mafia ermordet wurde und für mich ein Symbol des Kampfes für Freiheit ist. Seine sterblichen Überreste wurden später hierher überführt, und das führte zu einem Konflikt zwischen der Familie Falcone und der Familie seiner Frau, weil die beiden nach ihrem Tod getrennt wurden. Natürlich gibt es dort auch eine Gedenktafel für seinen Freund und Kollegen, den Richter Paolo Borsellino. Die Porträts dieser beiden Männer sieht man in der Stadt sehr oft.
Neben der Kirche selbst gibt es links vom Eingang einen Chiostro – einen kleinen Klosterhof. Sehr ruhig und gemütlich. Er ist der einzige Teil des Dominikanerkomplexes, der seit dem 13. Jahrhundert erhalten geblieben ist. Diesen Sommer wurde dort ein kleiner Raum geöffnet, der bei Restaurierungsarbeiten vor etwa 30 Jahren entdeckt worden war.
Darin kann man heute eine sehr zarte Madonna del Latte aus Marmor sehen – Maria, die das Jesuskind stillt. Ich konnte ihre Geschichte seit dem 15. Jahrhundert nicht vollständig zurückverfolgen. Für mich wirkt ihr Erscheinen dort heute wie ein kleines, zartes Wunder – im Kontrast zur Schwere dieses Ortes und zugleich etwas, das sie noch stärker hervorhebt, genauso wie unsere eigene Menschlichkeit.