Porta Nuova in Palermo, the historic city gate near the Royal Palace

Porta Nuova

Ich liebe es, irgendwo in der Mitte der Via Vittorio Emanuele (Cassaro) stehen zu bleiben und auf ihre beiden Enden zu schauen. Auf der Seite des Palazzo Reale sehe ich die mit Majolika verzierte Porta Nuova. Und auf der Seite zum Meer hin die Porta Felice. Ich weiß nicht warum, aber ich liebe Stadttore und schenke ihnen in jeder Stadt besondere Aufmerksamkeit. Meine Reise durch Palermos Stadttore beginne ich mit der Porta Nuova.

Man könnte sie als das repräsentative Eingangstor der Stadt bezeichnen, denn sie steht direkt neben dem Königspalast. Dieses Tor ist mehr als 300 Jahre alt, doch das erste dokumentierte Stadttor an dieser Stelle, die Porta del Sole, stand hier schon vor dem 15. Jahrhundert.

Danach stand hier 120 Jahre lang die Porta dell’Aquila – das Tor des Adlers, des Vogels, der das Symbol Palermos ist. Nach dem Sieg über die Mauren in Tunis beschloss man, das Tor zu Ehren des Triumphs zu erneuern, und errichtete die Porta Nuova. Eigentlich trug sie einen anderen Namen, aber die Menschen nannten sie einfach das „neue Tor“ – und dabei blieb es. Das neue Tor stand etwas weniger als 100 Jahre, bis es bei einer Explosion in einem nahe gelegenen Pulverlager vollständig zerstört wurde. Danach wurde eine neue Porta Nuova errichtet – genau die, die wir heute sehen.

Wenn man von Monreale aus in die Stadt kommt, sieht man vier riesige Figuren, die alle unterschiedlich aussehen. Zwei von ihnen haben gefesselte Hände, wie Kriegsgefangene, und zwei haben abgetrennte Arme – als wären sie nicht mehr fähig, weiterzukämpfen. Wenn man dagegen durch das Tor in die Stadt geht und es von der anderen Seite betrachtet, sieht man vier weibliche Büsten, die Frieden, Gerechtigkeit, Wahrheit und Überfluss symbolisieren.

Ganz oben auf dem Tor sitzt ein Adler – das Symbol Palermos und eine Erinnerung an die alte Porta dell’Aquila. Man sagt, dass man an diesem alten Tor nach dem Ende einer Pestepidemie ein Bild der Unbefleckten Jungfrau Maria und eine Dankesinschrift für die Rettung der Stadt anbrachte. Ich liebe es, durch dieses Tor zu gehen und mir vorzustellen, dass genau hier vor 600 Jahren, vielleicht sogar vor tausend Jahren, ein anderer Mensch die Stadt betrat. Und irgendwie fühlt es sich an, als würden wir ein Stück des Weges gemeinsam gehen.