Die erste Coppola, die ich in Palermo gekauft habe, stellte sich als nicht ganz echte Coppola heraus. Trotzdem schützt sie mich vor der Sonne, und glauben Sie mir: Sizilianische Kappen sind nicht nur zur Zierde da. Eine leichte Leinenkappe, die auch bei starken Windböen fest auf dem Kopf sitzt und bei über 40 Grad kaum zu spüren ist, ist ein von Menschen geschaffenes Wunder.
Einmal ging ich mit meiner „Coppola siciliana“ in ein teures Hutgeschäft und kam mit dem Besitzer ins Gespräch. Er zeigte mir den Knopf in der Mitte des Schirms, der dessen Form hält. Offenbar ist das aus handwerklicher Sicht nicht richtig. Denn eine korrekt gefertigte Coppola sollte ihre Form auch ohne Knopf behalten.
Über die Entstehungsgeschichte der Coppola gibt es mehrere Versionen, wie bei fast allem auf Sizilien. Es heißt, die Engländer hätten die Mode für diese Kappen auf die Insel gebracht, und die Sizilianer hätten sie an ihre Lebensbedingungen angepasst und ihr einen sizilianischen Namen gegeben. Das Wort „Coppola“ tauchte allerdings bereits etwa hundert Jahre vor der Zeit auf, in der die Engländer auf der Insel besonders aktiv waren.
Heute verbinden viele Menschen diese Kappe mit der Mafia. Einfach deshalb, weil Hollywood sie als leicht erkennbares Symbol Siziliens verwendet hat. Ursprünglich war die Coppola eine ganz gewöhnliche Kopfbedeckung, die Bauern vor der Sonne schützte. Heute versucht Sizilien aktiv, sich von der Verbindung „Coppola = Mafia“ zu lösen, und man kann die Kappe fast überall kaufen – von chinesischen Geschäften bis zu teuren Boutiquen. Der Unterschied liegt nur im Preis und in der Qualität.
Manchmal gehe ich gerne in teure Boutiquen, weil es einfach ein Genuss ist, all diese Schönheit anzusehen, und gelegentlich kann ich mir dort auch etwas gönnen. Wenn man aber einfach eine Kappe für den Alltag braucht, ist Via Garibaldi die erste Adresse. Historisch gesehen war dies die Straße der Berrettifici, der Werkstätten, in denen Kappen hergestellt wurden. Ähnlich wie in der Via Calderai, wo Kochgeschirr gefertigt wurde, lebten und arbeiteten hier die Kappenmacher. Sie hatten gemeinsame Lieferanten und gemeinsame Kunden. Eine Gemeinschaft statt Konkurrenz.
