Einmal wurde ich zur Hochzeit von sizilianischen Freunden eingeladen, die beruflich in einem anderen Land lebten. Ich wusste nicht, was ich Sizilianern schenken sollte, die ihre Heimat bestimmt vermissten. Schließlich entschied ich mich für zwei Bilder mit den Teste di Moro. Zuerst hatte ich Zweifel, ob das nicht einfach ein Touristenklischee sei, doch ihre Freude war riesig. Sie nahmen die Bilder sogar mit zurück nach Sizilien und hängten sie in ihrem Schlafzimmer auf.
Egal, in welchem Ort Siziliens du bist – du wirst unweigerlich Darstellungen oder Keramiken mit zwei Köpfen entdecken: einem männlichen und einem weiblichen. Für die Sizilianer ist das eine Tradition, die vor fast tausend Jahren im arabischen Stadtviertel Kalsa in Palermo entstand. Dazu gibt es zwei Legenden.
Die erste erzählt von einem sizilianischen Mädchen und einem jungen Araber, die sich ineinander verliebten. Eines Tages erfuhr die junge Frau jedoch, dass ihr Geliebter bereits eine Frau und Kinder hatte und bald in seine Heimat zurückkehren würde. Während er schlief, schlug sie ihm den Kopf ab. Aus seinem Kopf machte sie einen Blumentopf und pflanzte darin Basilikum – ein Symbol für Liebe und Wohlstand auf Sizilien. Sie stellte den Topf auf ihren Balkon und goss ihn jeden Tag mit ihren Tränen. Das Basilikum wuchs so prächtig, dass die Nachbarn glaubten, das Geheimnis liege in diesem ungewöhnlichen Blumentopf. Deshalb begannen sie, bei den Töpfern Keramikgefäße in Kopfform zu bestellen.
Die zweite Legende erzählt, dass die junge Frau einer sizilianischen Adelsfamilie angehörte. Als sie sich in einen Araber verliebte, konnten ihre Eltern diese Liebe nicht akzeptieren und ließen beide Liebenden hinrichten. Anschließend wurden ihre Köpfe als Warnung auf dem Balkon ausgestellt. Diese zweite Geschichte gefällt mir zwar nicht besonders, aber ich wollte sie trotzdem erzählen, weil sie erklärt, warum es zwei Köpfe gibt und nicht nur einen.
