Nachdem ich nach Palermo gezogen war, füllte ich mein Zuhause sehr schnell mit Keramik: Vorratsdosen für Mehl und Zucker, Alltagsgeschirr, Servierplatten und Auflaufformen, Krüge und Vasen. Ich träumte auch von einem Waschbecken und Fliesen auf der Terrasse, aber das wird offenbar in einem anderen Zuhause sein. Danke, Palermo, für die Flohmärkte, auf denen ich manchmal völlig neue Keramik für 1–5 Euro finden konnte.
Früher war Keramik im Haus ein Zeichen von Wohlstand. Nur wohlhabende Familien konnten sich Treppen, Fußböden, Balkone und Fassaden aus Keramik leisten. Ja, einmal habe ich ausgerechnet, wie viel mich eine mit Majolika verkleidete Wand auf der Terrasse kosten würde, und danach habe ich dieses Vorhaben erst einmal gebremst.
Auch für die Farben, die uns mit ihrer Leuchtkraft erfreuen, gibt es eine Erklärung. Blau steht natürlich für das Mittelmeer und den Himmel. Leuchtendes Gelb für Zitronen und Sonne. Grün für Olivenhaine und Zitrusplantagen. Rot für Granatäpfel. Vielleicht wurde diese Symbolik einfach erfunden, weil sie schön klingt, und in Wirklichkeit waren es nur die Pigmente, die den Handwerkern zur Verfügung standen. Aber in jedem Fall ist es schön.
Auch die Keramik in der Stadt ist sehr unterschiedlich. Eine meiner Freundinnen war zunächst sehr enttäuscht, als sie so viel chinesische Massenware sah. Und chinesische von sizilianischer Keramik zu unterscheiden, ist ganz einfach: Sizilianische Keramik ist niemals vollkommen. Technisch gesehen wird die Farbe mit dem Pinsel direkt auf die weiße Glasur aufgetragen, ohne die Möglichkeit, einen Fehler zu korrigieren. Natürlich ist es unmöglich, zwei identische Pinselstriche zu finden. Außerdem ist handbemaltes Geschirr auf der Rückseite meist signiert – mit dem Namen des Handwerkers, der Region oder zumindest mit den Worten „dipinto a mano“.
In der Via Vittorio Emanuele (Cassaro) gibt es mehrere sehr schöne und teure Geschäfte mit sizilianischer Keramik. Und wenn Sie sich in der Nähe des Genio di Palermo auf der Piazza Rivoluzione befinden, gehen Sie die Via Garibaldi durch das Viertel der Berrettifici bis zur Kreuzung mit der Via Milano entlang. Dort befindet sich das große Keramikgeschäft Elhabib mit sizilianischer und tunesischer Keramik. Ein Genuss für die Augen und für den Geldbeutel.
