Original fireplace designed by Ernesto Basile inside Villino Florio in Palermo

Villino Florio

Als ich zum ersten Mal zum Villino Florio ging, nahm ich einen sehr komplizierten Weg durch arme, nicht touristische Viertel von Palermo. Während ich mich umsah, begann ich nach einer Antwort auf die Frage zu suchen: „Warum baute eine der reichsten Familien Italiens Ende des 19. Jahrhunderts ihr Haus ausgerechnet hier?! Wie sah Palermo damals aus?“

Auf dem Rückweg stellte sich heraus, dass ich gar nicht so weit vom Teatro Massimo entfernt war – ich hatte einfach nur einen seltsamen Weg gewählt. Trotzdem liegt dieser Teil der Stadt bis heute außerhalb der touristisch interessanten Gebiete. Es stellte sich heraus, dass dieses Viertel bereits seit dem 18. Jahrhundert ein wohlhabender Vorort war, in dem der palermitanische Adel gern die frische Luft genoss.

Zu Beginn der Liberty-Epoche kaufte die Familie Florio in diesem Viertel drei Hektar Land, um dort einen Park und ein Landhaus zu errichten. Gerade das Villino Florio kann als Beispiel des italienischen Jugendstils gelten – oder einfach als ein Ort, an dem man verstehen kann, was der Liberty-Stil ist.

Ich begann, die Geschichte des Hauses zu lesen, nachdem ich sein Inneres gesehen hatte, und ich erinnere mich bis heute an meinen ersten Eindruck. Ich stand neben einem schönen Kamin mit malachitfarbenen Fliesen, der von einem seltsamen schwarzen Holz eingefasst war. Ich begann mich umzusehen und bemerkte, dass alles um mich herum teilweise mit schwarzem Holz eingefasst war. Es stellte sich heraus, dass es sich um verbranntes Holz handelte.

Die Geschichte erwies sich als interessant. Das Villino Florio wurde als ganzheitliche Komposition entworfen – das heißt, der Entwurf des Architekten umfasste sowohl das Gebäude selbst als auch die Innenausstattung und sogar die Möbel. Zu den schönsten Elementen gehören die geschnitzten Holzverzierungen. Die Familie Florio verkaufte sowohl das Parkgelände als auch das Haus bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als ihr Finanzimperium zu zerfallen begann. In den 1960er-Jahren war das Gebäude halb verlassen. Zur gleichen Zeit erlebte die Stadt eine Phase, die als „Sacco di Palermo“ bezeichnet wurde – eine Zeit massiver Bebauung, in der historische Villen und Palazzi „verschwanden“ und an ihrer Stelle Mehrfamilienhäuser errichtet wurden.

Das geschah auch mit dem Villino Florio: Die Villa brannte nieder. Später wurde sie dank der Aktivisten, die für den Erhalt des Florio-Erbes kämpften, anhand der erhaltenen Entwürfe des Architekten und von Florio selbst restauriert. Während der Restaurierung wurde alles neu angefertigt. Achte zum Beispiel auf die Stoffe an den Wänden: Es handelt sich um Stoffe, die nach den alten Mustern neu gewebt wurden, und nicht einfach um etwas, das dem früheren Zustand nur „ähnlich“ ist. Ein Teil der Villa wurde im verbrannten Zustand belassen, und meiner Meinung nach ist das eine perfekte Verbindung aus Erinnerung, Ästhetik und der Bewahrung der Arbeit des ursprünglichen Architekten.